Zu kurz gedacht?

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Normalerweise werden wir durchschnittlichen Mitteleuropäer relativ selten mit den wirklich großen Problemen dieser Welt konfrontiert. Zu eingespannt sind wir in unseren Alltag, in unsere moderne Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft. Einzig in den Ferien, auf Reisen, haben wir Gelegenheit über den Tellerand hinauszuschauen.
Anpassungsschwierigkeiten und Kulturschock gibt es bei Trips in ferne Länder gratis dazu, führt die Reise gar in ein Entwicklungsland folgt oft das blanke Entsetzen: „Wie die es hier nur aushalten? Ich könnte nicht so leben.“ Nach dem Dank an die Gnade der geographisch günstigen Geburt, überlegt man sich welches Abendessen man denn heute in sich reinstopft, während die armen Seelen auf der anderen Seite der Hotelmauer wieder nur Maisbrei löffeln, wie jeden Tag.
Wir verlassen uns auf Vater Staat, der wird das schon richten und den Ärmsten der Armen ein bißchen unter die Arme greifen.  Tatsächlich fliessen jährlich große Summen gen Süden, auf das die Entwicklungsländer sich wirklich endlich entwickeln. Das viele Gelder in den Leasingraten der neuesten Staatskarossen Simbabwes versickern ist die eine Seite, die andere und nicht weniger dringende Frage ist: Wollen die denn überhaupt? Zwängen wir mit unserer Entwicklungshilfe einer völlig anderen Kultur nicht die Werte unserer materialistischen Gesellschaft auf, mit denen eben diese Kultur überhaupt nichts anfangen kann? Was sind die Ziele der deutschen Entwicklungszusammenarbeit über die bloße Existenzsicherung hinaus? Und sind diese nicht zu kurz gedacht?
Ich habe die Afrikaner als lebensfrohe und ausgeglichene Menschen kennengelernt. Sie besaßen wenig, machten aber nicht den Eindruck als ob sie das störte. Der Sinn des Lebens besteht für sie nicht darin, materielle Reichtümer anzuhäufen. Vielmehr liegen sie Wert auf das, was in unserer Gesellschaft oft zu kurz kommt: Menschen. Das Leben dreht sich um die Familie, die Nachbarn. Die Sozialverbände sind intakt. Hier würde keine Rentnerin wochenlang tot in ihrem Haus liegen, ohne dass jemand ihr Ableben bemerkt hätte. Die Mentalität, die Einstellung zum Leben ist eine komplett andere. Herzinfarkte, Bluthochdruck, Depressionen – alles Fremdworte. Mit westlicher Entwicklungshilfe versuchen wir diese Welt durch unsere zu ersetzen. Eine Welt, in der mehr konsumiert, mehr gearbeitet und in der sich mehr spitze Ellenbogen entscheiden, scheint für die Entwickelten bis jetzt nicht wirklich erstrebenswert. Denken also die Akteure der Entwicklungszusammenarbeit zu kurz oder ich?

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